… und den Blümchen

von Romina Becher

Die Blümchen gehören zu der Geschichte von den Bienchen. Klar soweit, oder? In diesem Fall meine ich jedoch nicht die pädagogisch wertvolle Aufklärungsversion, sondern die Blümchen als Lebensgrundlage der Bienen. Denn wie Wojciechowski zu Anfang der Geschichte schon kopfschüttelnd feststellte: „Englischer Rasen, mit Granitsplitt aufgefüllte Vorgärten und pflegeleichte Thujahecken. Wo soll das nur hinführen?“ Und tatsächlich ähneln die Vorgärten der verträumten Heidelberger Altstadthäuser und historischen Jugendstil-Villen diesem trostlosen Bild immer mehr. Selbst die wild-romantische Neckarwiese ist großteilig von akkurat gestutzter Rasenfläche befallen. Auch die gut gemeinte Idee, „ungenutzte“ Verkehrsinseln mit wilden Blütenmischungen zu begrünen, ist nicht ganz zu Ende gedacht. Denn wo landen die hungrigen Bienen wohl am ehesten? Gut gesättigt in ihrem Bienenstock oder als knalliger Pollenfleck auf dem nächstbesten Kühlergrill? Wenn es so weitergeht, dann erzählen wir unseren Kindern zukünftig die „Geschichte von den Bienchen und den Buchsbaumhecken“.

Doch ich bin ein zutiefst lösungsorientierter Mensch und ich würde nicht auf Missstände hinweisen, wenn man diese nicht auch lösen kann. Genau hier kommt jetzt unser Part, um für ein Happy End der Bienchen-Blümchen-Affäre zu sorgen. Und das geht ganz einfach. Wirklich. Aller guten Dinge sind drei, und auch ich habe mich an diese goldene Regel gehalten, wenn es darum geht, die Welt der Bienen wieder ein Stückchen besser zu machen.

1. Blümchen

Ja, immer noch Blümchen. Und ich möchte bewusst mit der „Basis“ anfangen und nicht mit einem Appell gemäß „Los, holt euch hier ein schickes Insektenhotel auf Amazon.de“. Ich weiß, die Dinger hängen überall und es fühlt sich so leicht an: „Mit einem Insektenhotel für 19,95 EUR habe ich hiermit meinen Part zum Welt- und Bienenfrieden beigetragen und jetzt lasst mich damit bitte in Ruhe.“ Ganz ehrlich, das ist fast das gleiche Prinzip wie das der mittelalterlichen Ablassbriefe: Ich kaufe mich von meiner Schuld frei. Leider funktioniert das im Bienchen-Fall nicht so ganz, denn die meisten im Handel erhältlichen Hotels sind mit Sägespänen oder Tannenzapfen gefüllt. Ernsthaft, auch als Laie, welche Biene oder gar Insekt nisten denn bitte darin? Zudem ist immer noch die „Basis“ offen: fehlende Blümchen. Oder würdet ihr in ein Hotel ohne Buffet und Getränke einchecken? Also, erst einmal damit anfangen.

Vielleicht habt ihr zu Hause im Garten ein kleines Eck Platz für eine Bienenschmauswiese? Oder auf dem Balkon ein bisschen Platz für ein paar einheimische Kräuter und Gewürze? Das wäre schon mal ein Anfang! Profis können dann schon über blühende Hecken als Grundstücksbegrenzung nachdenken oder eine Bienentränke bauen. Allerdings solltet ihr auch hier darauf achten, mehrjährige Bienenweide-Saatmischungen und besonders nektar- und pollenreiche Pflanzen zu verwenden. Woher ihr wissen sollt, was besonders nektarreiche Pflanzen sind oder welche Kräuterstauden für Bienen besonders geeignet sind? Ganz einfach, wie ich es versprochen habe, ihr nutzt das Pflanzenlexikon der BienenApp:

  1. Ihr installiert euch die BienenApp
  2. Ihr schaut dort in das Pflanzenlexikon
  3. Ihr wisst, ob das ein „Bienen-Blümchen“ ist oder nur ne olle Deko-Pflanze
© BMEL
© BMEL

2. Flüssiges Gold

Ihr entscheidet mit eurem Honigkauf, ob ihr den Erhalt der heimischen Honigbiene unterstützen möchtet oder Importware aus Mexiko oder den Ostblockländern bevorzugt. Auch hier möchte ich nochmals Heinrich Wojciechowski zitieren: „Dort, wo es herkommt, dort, wo es wächst, und dort, wo man lebt, darin ist alles enthalten, was dem Menschen guttut. Heimisches Obst und heimische Produkte haben immer mehr Qualität.“ Doch der Status quo ist ernüchternd: Vier Fünftel des in Deutschland gekauften Honigs sind importiert. In den USA ist das Bienenbusiness bspw. ein Millionengeschäft. Dort werden Bienenstöcke via Tieflader stundenlang durch das Land transportiert, um an diversen Obstfarmen und Feldern „Bestäubungsarbeit“ zu leisten. Eine große Belastung für die stressanfälligen Bienen. Das einseitige Nahrungsangebot, dass sie an den Bestäubungsspots erwartet, gleicht einem Speiseplan für uns Menschen von bspw. drei Wochen lang nur Kartoffeln. Der Honig, den sie dann noch mühsam erzeugen, wird ihnen komplett entrissen und durch billiges Zuckerwasser ersetzt. Ja, wird reden von „Business“, nicht vor Achtung und Respekt dem Tier gegenüber. Dabei muss ein Bienenvolk für ein einziges Glas Honig von 500 Gramm mehr als 120.000 km fliegen, das ist so viel, wie dreimal die Welt zu umrunden! Parallel bestäubt es dabei ca. 475 Millionen Blüten. Der Honig entsteht durch einen natürlichen Stoffwechselvorgang der Stockbienen, die aus dem gesammelten Nektar wertvollen Honig zaubern. Dieser wird dann in den Waben eingelagert, die aus Bienenwachs geformt werden. Auch das Wabenwachs stellen die Bienen selbst her. Faszinierend, was dieses geflügelte 0,1 Gramm schwere Wundertier leisten kann, oder?

Also, kauft regionalen Honig. Der schmeckt auch wesentlich besser als Honig aus dem Supermarkt. Woran ihr den erkennt und wo ihr ihn herbekommt? Auch das ist wieder ganz einfach:

© Deutscher Imkerbund e. V.

3. Wissen ist Macht

Informiert euch, bleibt auf dem aktuellen Stand und am Wichtigsten: Denkt nach! Nutzt euren gesunden Menschenverstand, hinterfragt die Dinge kritisch und bleibt neugierig. Wenn ihr es schon seid, könnt ihr direkt hier loslegen:

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Noch Fragen?

Ohne jetzt groß sentimental zu werden: Ich bin wirklich davon überzeugt, dass wir gemeinsam die Welt wieder ein bisschen besser machen können. Vielleicht nicht gleich die ganze weite Welt, aber auf jeden Fall die Welt der Bienen.

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